City-Arkaden: 500.000 Euro-Präsentation – GRATIS! Mega-Etat der ECE-Gruppe lockt. Sechs Agenturen zum Briefing eingeladen.
Die Serie der Gratis-Präsentationen reißt (leider) nicht ab. Nun verlangt der deutsche Großkonzern ECE Gratis-Gehirnschmalz von Kärntens Kreativen. Für das Einkaufszentrum City-Arkaden wird für das erste Jahr ein Werbe-Etat von rund 500.000 Euro ausgeschrieben. Sechs Agenturen sind zur Präsentation eingeladen. Die ersten haben das Briefing bereits hinter sich – mit einem langen Gesicht vermutlich. Denn: Der Konzern verlangt Gratis-Präsentationen.
Fachgruppenobmann Albin Dieringer schäumt: "Schweinerei. Jetzt geht es um das wahre Gesicht der Kärntner Werbeagenturen. Sie sollen Solidarität beweisen und sich nicht an der Präsentation beteiligen. Die Aufgabe der FG ist es nicht ein Mitglied schlecht zu machen. Wir möchten, wenn sich alle einig sind Hilfestellung in der Form anbieten, dass sich die Vertreter der FG mit dem Auftraggeber rasch in Verbindung setzen und eine Regelung treffen, die den Kärntner Agenturen gerecht wird. Wenn seitens des Auftraggebers keine Bereitschaft für die Zahlung eines Präsentationshonorares besteht, so werden wir diesen Auftraggeber entsprechend in der Öffentlichkeit darstellen. Ich versichere den Betreibern des ECE, dass dieses Engagement nicht zur Steigerung der Sympathiewerte beitragen wird."
Die erste Präsentationsrunde soll am 17.8.2005 eingeläutet werden. Findet sich kein passender Kandidat, steigt eine zweite Präsentationsrunde in Wien. Dieringer: "Es kann also vermutet werden, dass die Aufforderung zu Gratisleistungen von Kärntner Agenturen überhaupt nur eine Alibihandlung ist."
Ihre Meinung ist gefragt. Wie stehen die Mitglieder der Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation in Kärnten zu Gratispräsentationen?
So heiß dieses Thema auch immer wieder ist, so sinnlos ist die Diskussion darüber. Was wird denn herauskommen. Viel Wirbel und danach werden von den 6 eingeladenen Agenturen doch wieder 5 gratis präsentieren. "Kärntn is lei ans ...!"
Franz Mikautz,
21.07.2005,
15:21:05
Ich kann da zwar nicht sonderlich mitreden, aber halte Gratispräsentationen grundsätzlich für ökonomisch gefährlich und wachstumshemmend. Denn eine Präsentation - wenn sie gescheit ist - ist teuer, da musst so richtig Geld hineinstecken (Humanressourcen, Bildkosten, Druckausgaben ...). Dann dafür kein Geld bekommen - das machst 5 Mal, dann bist pleite. Aus ökonomischer Sicht verstehe ich die ECE, wenn sie wirklich den Besten gewinnen lässt und nix von den anderen abpaust. Dann ist so ein Verfahren fair (der Beste gewinnt), weil sich jeder entscheiden kann, daran teilzunehmen. Unzählige Urheberrechtsfragen (nicht bei der ECE) zeigen aber das Gegenteil, da wird geklaut, was das Zeug hält. Ich bin bei Volkmar, man muss mit Ausschreibern reden, das sollten die einsehen. Wenn nicht, würde es mich als Journalist freuen, endlich mal ne Meldung verfassen zu können: "ECE schreibt aus, keiner will mitmachen." Denn dann muss der Ausschreiber damit rechnen, dass so was in die Zeitung kommt und das wäre eine Peinlichkeit, die man sich nicht 2 Mal leistet. Ausserdem könnte man Ausschreiber, die wettbewerbsmässig präsentieren lassen und nix zahlen, auf einer Website veröffentlichen.
Gratispräsentationen fordern meist jene Unternehmen, die selbst nichts kostenlos bieten... da möchte ich mal den Bauunternehmer sehen, der mir "zur Qualitätsdarstellung" eine Wand kostenlos errichtet, oder eine Centerkette, die mal "zur Darstellung" ein Stockwerk eines Einkaufszentrums baut. Kärnten fehlt es nicht an Qualität in der Werbebranche, sondern an dem Selbstbewusstsein und - wie Volkmar Fussi schreibt - der Zivilcourage. Deshalb gehen die großen Etats von Kärnten auch (fast) alle an Wiener Agenturen: denn diese haben das nötige Selbstbewusstsein.
Volkmar Fussi hat natürlich völlig Recht. Darüberhinaus stellt sich die Frage der "Wert"schätzung von Leistungen und daraus resultierent die Vorschau auf eine eventuelle zukünftige Beziehungsqualität. Eine Teilnahme unter diesen Bedingungen ist daher nicht nur eine Frage der Ehre sondern auch eine der Vernunft.
Auf den unqualifizierten Beitrag des "Kunden" muss man nicht näher eingehen. Ich halte die Forderung nach Gratis-Präsentationen für unfair und unanständig. Wer Gratis-Präsentationen verlangt, wird später kein fairer Geschäftspartner sein. Auch wenn ein Etat in ECE-Größenordnung sehr verlockend erscheint: Wir müssen uns gegen die Nötigung zu Gratis-Präsentationen wehren. Schon aus Gründen der Selbstachtung! Ich habe erst unlängst - gemeinsam mit gleichgesinnten Kollegen - durch eine klare Haltung sowie durch amikale "Beratung" ein Umdenken bei einem Auftraggeber erwirken können. Mein Vorschlag: wenn Forderungen nach Gratis-Präsentationen bekannt werden, tritt unsere Standesvertretung in Aktion und sucht auf neutraler Ebene das Gespräch mit dem Auftraggeber, um "beratend" auf ihn einzuwirken. Solche Bemühungen dürfen dann aber nicht von uns unterlaufen werden. Geschlossenheit ist gefragt, ein bisserl Zivilcourage und Berufsethik: Gratis präsentieren ist OUT! Da machen nur noch jene schwarzen Agenturschafe mit, denen es an Zivilcourage (und Aufträgen?) mangelt.
Der Kunde,
20.07.2005,
13:36:03
Das ewige Gejammer um Gratispräsentationen geht mir schon auf den Senkel. Wenn einem das gezeigte nicht gefällt muss man trotzdem zahlen, sicher manche Agenturen könnten von diesen Zahlungen auch ein Dasein fristen ist schon klar. Es wird Zeit das die Qualität des in Kärnten Angebotenen steigt. Meist ist man eh nur auf der Suche nach grafischen Umsetzern und Produzenten und nicht nach den sogenannten "Kreativen".